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Die 4 nützlichsten Spezialkurse beim Tauchen
Nitrox · Tarierung · Tieftauchen · Nachttauchen Ein fachlicher Leitfaden für die Auswahl praxisnaher Tauchkurse

Mit dem Open Water Diver beginnt die Ausbildung eines Tauchers erst. Spezialkurse helfen dabei, bestimmte Fähigkeiten zu verbessern, neue Tauchumgebungen kennenzulernen und Risiken gezielter zu handhaben.
Allerdings ist nicht jeder Spezialkurs für jeden Taucher gleichermaßen sinnvoll. Besonders praxisnah sind Kurse zum Tauchen mit Nitrox, zur Tarierung, zum Tieftauchen und zum Nachttauchen.
Welche Ausbildung am besten passt, hängt von den geplanten Tauchgängen, der bisherigen Erfahrung und den persönlichen Zielen ab.
1. Nitrox Spezialkurs: mehr Zeit innerhalb der Grenzen
Nitrox, auch als angereicherte Luft oder EANx bezeichnet, ist ein Atemgasgemisch mit einem Sauerstoffanteil von mehr als 21 %, dem Anteil in normaler Luft.
Beim Sporttauchen werden besonders häufig EAN32 und EAN36 verwendet. Diese Gemische enthalten 32 % beziehungsweise 36 % Sauerstoff.
Da diese Gemische weniger Stickstoff enthalten, nimmt der Taucher während des Tauchgangs weniger davon auf. Dadurch kann sich die Nullzeit gegenüber Luft verlängern. Alternativ lässt sich dasselbe Tauchprofil mit geringerer Stickstoffbelastung durchführen.
Wichtiger Hinweis - Je nach Tauchgangsplanung lässt sich Nitrox nutzen, um die verfügbare Zeit zu verlängern oder die Sicherheitsreserve zu erhöhen. Das Risiko einer Dekompressionskrankheit wird dadurch nicht ausgeschlossen.
Was lernt man in einem Nitrox Kurs?
- Den Sauerstoffanteil in der Flasche analysieren.
- Das Gasgemisch kennzeichnen und eindeutig zuordnen.
- Den Tauchcomputer einstellen.
- Die maximale Einsatztiefe berechnen.
- Die kumulative Sauerstoffexposition überwachen.
- Wiederholungstauchgänge planen.
Jeder Taucher sollte den Inhalt seiner Flasche selbst analysieren oder die Analyse vor der Nutzung überprüfen. Auch der Tauchcomputer muss korrekt eingestellt sein: Bleibt er im Luftmodus, können die Berechnungen falsch sein.
Maximale Einsatztiefe
Der höhere Sauerstoffanteil bringt eine zusätzliche Grenze mit sich: den Sauerstoffpartialdruck.
MOD = (maximaler Partialdruck ÷ Sauerstoffanteil als Dezimalzahl − 1) × 10
Bei einem maximalen Partialdruck von 1,4 ATA: EAN32 ≈ 34 m · EAN36 ≈ 29 m
Wer die maximale Einsatztiefe des Gemischs überschreitet, erhöht das Risiko einer Sauerstofftoxizität im zentralen Nervensystem. Diese kann Sehstörungen, Übelkeit, Muskelzuckungen oder Krampfanfälle verursachen. Nitrox ermöglicht daher keine tieferen Tauchgänge als Luft. Manche Gemische verringern die maximal mögliche Tiefe.
Für wen ist Nitrox besonders sinnvoll?
- Reisen mit mehreren Tauchgängen pro Tag.
- Tauchsafaris.
- Wiederholungstauchgänge zwischen 18 und 30 Metern.
- Unterwasserfotografie.
- Wrack- oder Rifftauchgänge mit längeren Grundzeiten.
Bei sehr flachen Tauchgängen ist der Nutzen geringer, da die Nullzeit meist deutlich länger ist als die Zeit, die der Gasvorrat in der Flasche erlaubt.
2. Tarierungskurs: die Grundlage für effizientes Tauchen
Die Tarierung ist vermutlich die Fähigkeit mit dem größten Einfluss auf die gesamte Qualität eines Tauchgangs.
Wer seine Tarierung gut beherrscht, kann die Tiefe stabil halten, sich mit weniger Anstrengung bewegen und unbeabsichtigtes Aufsteigen oder Absinken vermeiden. Eine gute Kontrolle verringert außerdem das Risiko, den Grund zu berühren, Sediment aufzuwirbeln oder Meeresorganismen zu beschädigen.
Tarierungskurse konzentrieren sich vor allem auf die Bleimenge, den Trimm, die Atmung und die Körperhaltung. Diese Fähigkeiten verringern die körperliche Anstrengung und helfen, den Atemgasvorrat effizienter zu nutzen.
Was wird im Kurs geübt?
- Die richtige Bleimenge überprüfen.
- Die Gewichte sinnvoll verteilen.
- Eine horizontale Wasserlage und einen guten Trimm halten.
- Neutral tariert bleiben, ohne die Hände einzusetzen.
- Kontrolliert ab- und auftauchen.
- Auf unterschiedlichen Tiefen bewegungslos schweben.
- Die Tarierung über die Atmung steuern.
- Effiziente Flossenschlagtechniken anwenden.
Bleimenge und Kontrolle - Zu viel Blei erfordert mehr Luft im Tarierjacket, erhöht den Wasserwiderstand und erschwert es, die Volumenänderungen beim Aufstieg zu kontrollieren. Zu wenig Blei kann den Sicherheitsstopp am Ende des Tauchgangs erschweren.
Für wen ist der Kurs empfehlenswert?
Ein Tarierungskurs ist für nahezu jeden Taucher sinnvoll, besonders aber für diejenigen, die:
- Ihren Gasvorrat schnell verbrauchen.
- Schwierigkeiten haben, eine konstante Tiefe zu halten.
- Beim Schwimmen häufig die Hände einsetzen.
- In aufrechter Haltung schwimmen.
- Mit den Flossen Sediment aufwirbeln.
- Mit Unterwasserfotografie, Wracktauchen oder Tieftauchen beginnen möchten.
Nach dem Open Water Diver gehört dieser Kurs zu den sinnvollsten Weiterbildungen, weil er die Fähigkeiten verbessert, die bei jedem weiteren Tauchgang gebraucht werden.
3. Tieftauchen: jenseits der 18 Meter
Beim Sporttauchen gilt ein Tauchgang in mehr als 18 Metern Tiefe im Allgemeinen als Tieftauchgang.
Je nach Ausbildungsstand und Ausbildungsorganisation kann ein Sporttaucher seine Tiefengrenze schrittweise bis auf maximal 40 Meter erweitern. Diese Ausbildung macht aus einem Sporttauchgang keinen technischen Tauchgang und berechtigt nicht dazu, die Nullzeit zu überschreiten.
Tiefer zu tauchen bedeutet mehr, als den Druckausgleich durchzuführen und das Tarierjacket zu kontrollieren. Die Tiefe beeinflusst den Gasverbrauch, die Dichte des Atemgases, die Wahrnehmung, die Stickstoffbelastung und die verfügbare Zeit.
Besondere Risiken beim Tieftauchen
- Der Gasvorrat wird schneller verbraucht.
- Die Nullzeiten werden kürzer.
- Die Stickstoffbelastung nimmt zu.
- Eine Stickstoffnarkose kann auftreten.
- Das Atmen wird anstrengender.
- Fehler haben schneller Folgen.
- Für die Lösung von Problemen bleibt weniger Zeit.
Druck und Gasverbrauch - In 30 Metern Tiefe ist der Umgebungsdruck ungefähr viermal so hoch wie an der Oberfläche. Unter vergleichbaren Bedingungen ist daher auch der Gasverbrauch etwa viermal so hoch wie an der Oberfläche.
Eine Stickstoffnarkose kann sich ab etwa 30 Metern bemerkbar machen. Ihre Stärke unterscheidet sich jedoch von Person zu Person und kann auch zwischen einzelnen Tauchgängen variieren. Sie kann das Denken verlangsamen, zu übermäßigem Selbstvertrauen oder Angst führen und einfache Aufgaben erschweren.
Was lernt man in diesem Spezialkurs?
- Den Gasverbrauch planen.
- Tiefen- und Zeitgrenzen berücksichtigen.
- Gasreserven einteilen.
- Eine Stickstoffnarkose erkennen.
- Aufstiegsverfahren durchführen.
- Sicherheitsstopps einhalten.
- Alternative Luftversorgungen nutzen.
- Bei einer ungeplanten Dekompressionspflicht vorgehen.
- Den Tauchcomputer einstellen und seine Anzeigen interpretieren.
Das Ziel ist nicht, bei jedem Tauchgang 40 Meter zu erreichen. Entscheidend ist zu erkennen, wann ein Tieftauchgang durchgeführt werden kann und wann darauf verzichtet werden sollte.
Für wen ist der Kurs sinnvoll?
Dieser Spezialkurs eignet sich für Taucher, die folgende Ziele erkunden möchten:
- Wracks in größerer Tiefe.
- Unterwassersteilwände.
- Tiefe Riffe.
- Geologische Formationen in größerer Tiefe.
- Tauchplätze unterhalb der Tiefengrenze ihrer aktuellen Zertifizierung.
Vor Kursbeginn sollten Taucher die Tarierung und kontrollierte Aufstiege beherrschen und über Grundkenntnisse im Gasmanagement verfügen.
4. Nachttauchen: Orientierung und Kommunikation im Dunkeln
Ein Nachttauchgang verändert einen vertrauten Tauchplatz vollständig. Viele Arten verhalten sich anders, und Organismen, die tagsüber verborgen bleiben, werden sichtbar.
Die Dunkelheit nimmt außerdem visuelle Orientierungspunkte, erschwert die Navigation und verändert die Kommunikation mit dem Tauchpartner.
Deshalb geht die Ausbildung über den Umgang mit einer Tauchlampe hinaus. Sie umfasst besondere Navigationsverfahren, Signale, die Tauchgangsplanung und das Vorgehen bei einem Lampenausfall.
Erforderliche Ausrüstung
Zusätzlich zur üblichen Ausrüstung sollten Nachttaucher Folgendes mitführen:
- Eine Haupttauchlampe.
- Eine Ersatzlampe.
- Einen Tauchcomputer mit beleuchtetem Display.
- Einen Kompass.
- Oberflächensignalmittel, die nachts sichtbar sind.
- Einen geeigneten Kälteschutz.
Ein- und Ausstiegsstellen sollten eindeutig erkennbar sein. Bei einem Tauchgang vom Ufer kann ein festes Licht als Orientierungspunkt dienen. Bei Bootstauchgängen lassen sich die Ankerleine oder die Leiter mit Lampen oder Blitzlichtern markieren.
Kommunikation mit der Tauchlampe
Signale werden gegeben, indem man die Hand beleuchtet oder vereinbarte Bewegungen mit dem Lichtstrahl ausführt.
Blendung vermeiden - Leuchte deinem Tauchpartner niemals direkt in die Augen. Dadurch kann seine Nachtsicht vorübergehend beeinträchtigt werden.
Vor dem Einstieg sollten Taucher außerdem Folgendes vereinbaren:
- Das OK-Signal.
- Das Aufmerksamkeitssignal.
- Das Notfallsignal.
- Das Vorgehen beim Ausfall einer Tauchlampe.
- Das Vorgehen bei einer Trennung vom Tauchpartner.
- Die geplante Ausstiegsstelle und die späteste Ausstiegszeit.
Für wen ist der Kurs empfehlenswert?
Ein Nachttauchkurs ist besonders sinnvoll für Taucher, die:
- Häufig vom Ufer aus tauchen.
- An Tauchreisen oder Tauchsafaris teilnehmen.
- Nachtaktive Meerestiere beobachten möchten.
- Ihre Orientierung verbessern müssen.
- Bei schlechter Sicht sicherer und selbstbewusster werden möchten.
Auch ein flacher Nachttauchgang erfordert Ruhe, eine gute Tarierung und ständige Kommunikation.
Welchen Spezialkurs solltest du zuerst absolvieren?
Es gibt keine vorgeschriebene Reihenfolge. Eine sinnvolle Weiterentwicklung könnte jedoch so aussehen:
- Tarierung, um die Körperkontrolle zu verbessern und den Gasverbrauch zu senken.
- Nitrox, um Wiederholungstauchgänge und Grundzeiten zu optimieren.
- Tieftauchen, um den nutzbaren Tiefenbereich schrittweise zu erweitern.
- Nachttauchen, um Orientierung und Kommunikation ohne visuelle Bezugspunkte zu üben.
Diese Reihenfolge gilt nicht für alle. Wer regelmäßig auf Reisen mehrere Tauchgänge pro Tag macht, kann zunächst stärker von einem Nitrox Kurs profitieren. Wer hauptsächlich vom Ufer aus taucht, kann dem Nachttauchen Vorrang geben.
Die Auswahl sollte sich nach den tatsächlich geplanten Tauchgängen richten und nicht allein danach, möglichst viele Zertifizierungen zu sammeln.
Ausbildung, Erfahrung und Tauchversicherung
Eine Zertifizierung erweitert das Wissen, ersetzt aber keine schrittweise erworbene Erfahrung.
Nach einem Spezialkurs sollten die neuen Fähigkeiten zunächst unter einfachen Bedingungen geübt werden, bevor sie bei anspruchsvolleren Tauchgängen zum Einsatz kommen.
Versicherungsschutz überprüfen - Prüfe die Bedingungen deiner Tauchversicherung. Manche Policen enthalten Tiefengrenzen, Anforderungen an die Zertifizierung oder Ausschlüsse für bestimmte Aktivitäten. Stelle sicher, dass der geplante Tauchgang deiner Ausbildung und Erfahrung entspricht und vom Versicherungsschutz umfasst ist.
Fazit
Die nützlichsten Spezialkurse verbessern Fähigkeiten, die sich in realen Tauchsituationen anwenden lassen.
Die Tarierung bildet die technische Grundlage für jede Form des Tauchens. Nitrox hilft, die Stickstoffbelastung gezielter zu steuern. Beim Tieftauchen lernen Taucher, Tauchgänge mit einer geringeren Fehlertoleranz zu planen. Das Nachttauchen bereitet darauf vor, ohne natürliches Licht zu navigieren und zu kommunizieren.
Der beste Spezialkurs ist nicht unbedingt der anspruchsvollste. Es ist derjenige, mit dem du deine nächsten Tauchgänge besser kontrolliert, gut vorbereitet und sicherer durchführen kannst.



